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ANGLIZISMEN UND "FREMDE" ZEICHEN IN DER WERBESPRACHE - WIE DER REZIPIENT FACHWISSEN KONNOTIERT
"Die technologische Vorreiterrolle Amerikas schlägt sich in der großen Zahl von Anglizismen nieder, die aber nicht vor allem deshalb verwendet werden, weil deutsche Ausdrücke fehlen [JS, Ausnahmebeispiel: Scanner; (Abtastgerät oder Abtaster?) das deutsche Wort für den von diesem technischen Gerät ausführende 'Tätigkeit' fehlt, demzufolge wurde das aus dem engl. to scan (seinen Blick prüfend und gleichmäßig über einen Gegenstand hin und her schweifen lassen) - skandieren hat im Deutschen diese Bedeutung nicht - übernommen und der Begriff Scanner ist entlehnt; vgl. Zimmer, D. E., Deutsch und anders, S. 27 ff.], sondern sie sind an sich - ähnlich wie in der Werbesprache Träger einer Signalfunktion: Sie signalisieren technisches Knowhow, Gruppenidentität, Modernität und Jugendlichkeit."
Das Wortfeld Informations- und Computertechnik ist schon aus sich selbst und seiner geschichtlichen Entwicklung heraus fremd-sprachenbelastet und imprägniert mit fachsprachlichen Zeichen. So verwundert es unter anderem nicht, dass in fast jedem zweiten Slogan (47 %) mindestens ein Anglizismus beziehungsweise ein aus dem englischen übernommener direkter Fachsprachenausdruck enthalten ist.
Der Grund der anglizistisch determinierten Sprachauslastung des untersuchten Wortfeldes liegt in der Geschichte der Entwicklung der PC-Technik, die ihren Ursprung in Amerika hat.
Eine "Reise" in die Computerzeichenentstehung macht deutlich, dass und warum fachsprachliche Zeichen in den modernen Slogans vorkommen. Sie sind Teil des Wortfeldes und haben somit referentiellen Charakter und sind selbst Träger von Informationen. So ist das Eindringen dieser zunächst meist nichtsprachlichen Zeichen (Abkürzung oder Programmsprachenelement) und metaphorischen Begriffen aus dem Fachgebiet in die Umgangssprache zu erklären: (Zimmer)
"Als multilinguales Talent kam der Computer nicht zur Welt. Englisch ja - aber von Haus aus weiß er nichts mit nichtenglischen Schriftzeichen anzufangen. Schon Buchstaben wie das deutsche "ß" stürzten ihn in eine Verlegenheit, die auch nur im Prinzip auszuräumen fast 20 Jahre gedauert hat - von der weltweiten Normierung des 7-Bit-ASCII-Codes im Jahre 1968 mit seinem englischen Alphabet bis 1986, als die Hinzunahme des achten Bit die Zahl der in einer Codetabelle vereinbarten Zeichen auf 256 verdoppelte."
Bis heute aber leidet die Textkommunikation zwischen Computern und somit deren Usern daran, dass man nie wirklich sicher sein kann, ob sie die hinzu gewonnenen 128 Zeichenpositionen auf die gleiche Weise interpretieren und den Informationskanal nicht stören und somit das Gelingen des kommunikativen Aktes in Frage stellen. Das Ö, das ein deutscher Computer via Datenbahn sendet, kommt in einem griechischen wahrscheinlich als F und in einem russischen als F an. (Alle drei Zeichen tragen dieselbe Nummer, aber in verschiedenen Codetabellen.) Die Verständigungsschwierigkeiten bei verschiedenen Alphabetschriften erscheinen indessen als Bagatellen, wenn die ganz anderen, im Wortsinn großen Schriftsysteme anrücken. "Sehen Linguisten von oben auf die bunte Menge aller Schriftzeichen, ein jedes System immer nur den Eingeweihten verständlich, so teilt sie sich in drei große Gruppen. Die eine ist die der alphabetischen Schriftsysteme, zu denen unser lateinisches gehört: Jedes Zeichen steht im Prinzip für einen Sprachlaut, auch wenn ein paar Laute mehrere Zeichen beanspruchen (sch) und ein paar Zeichen mehrere Laute enthalten (z). Ein Alphabet braucht so viele Zeichen, wie die betreffende Sprache Laute hat. Die meisten haben zwischen 30 und 50. Alphabetschriften sind darum außerordentlich rationell: Keine anderen begnügen sich mit weniger Zeichen. Die nächste Gruppe stellen die Silbenschriften. Hier steht jedes Zeichen ("Syllabogramm") nicht für einen Laut, sondern für eine Sprechsilbe. Japanisch mit seiner schlichten Silbenstruktur kommt mit 50 Zeichen aus. Die Keilschrift, auch eine Silbenschrift, brauchte 100." Die dritte Gruppe, verhält sich anders. Bei ihr steht jedes Zeichen mehr oder weniger für ein ganzes Wort und somit einen Begriff: ein Logogramm . Die chinesische ist solch eine Schrift; ihre Zeichen (Hanzi) sind auch in anderen ostasiatischen Ländern in Gebrauch. Eigentlich benötigte eine Schrift dieser Art so viele Zeichen, wie die Sprache Begriffe hat - einige hunderttausend. Da das mehr sind, als selbst die gelehrtesten Schriftgelehrten beherrschen können, stützen sich 90 Prozent der chinesischen Begriffe auf zwei Zeichen - was deren Gesamtzahl stark verringert. Trotzdem bleiben es immer noch sehr viele. Die genaue Anzahl ist unbekannt - bis zu 74 000 (Eigennamen nicht mitgezählt). Die meisten von ihnen sind tot, gut 10 000 werden gebraucht, 2000 bis 3000 davon häufig. 10 000 verschiedene Schriftzeichen aber passen weder auf eine Tastatur nach Art der Schreibmaschine noch in den oberen Teil einer Codetabelle. Aus der Sicht des Computers dividiert sich die Vielfalt abweichend. Existent sind zunächst die unauffälligen Schriftsysteme, die kleinen, deren Zeichen sich auf der Tastatur vereinen lassen und die sich mit einem Byte Speicherplatz begnügen. Das tun Laut- wie Silbenschriften. Zweitens gibt es die Schriftsysteme, die mit vielen tausend Zeichen eine ganz andere Herausforderung darstellen, vor allem die Großen Drei: CJK, Chinesisch-Japanisch-Koreanisch. Ein Byte mit seinen 256 Codiermöglichkeiten ist ihnen nicht gewachsen. Es ist das Schicksal logographischer Schriften, von vornherein 2-Byte-Schriften zu sein. Die dritte Gruppe sind die bidirektionalen oder kurz bidi-Schriften, die sowohl von links nach rechts wie von rechts nach links geschrieben werden. Computertechnisch sind sie der schwierigste Fall. Dem Computer ist es egal, wie groß oder klein die Zeichenmenge ist oder wie die Zeichen aussehen. Er braucht nur die entsprechenden grafischen Zeichensätze und eine Zuordnungs-tabelle, die ihm sagt, welcher Nummer er welchen Krakel zuweisen soll, um das Bezeichnete dem Rezipienten visuell inhaltlich adäquat darzustellen. Aber damit eine Schrift ihre Laufrichtung ändern kann, ist ein Eingriff ins Betriebssystem nötig. Echte bidi-Schriften gibt wenige. (Die ausgestorbene Rongo-rongo-Schrift der Osterinsel war eine:
Eine Zeile lief von links nach rechts, die nächste von rechts nach links und stand außerdem noch kopf.) Aber alle Rechts-Links-Schriften wie die hebräische oder arabische müssen an beliebigen Stellen die Laufrichtung wechseln können - nämlich immer dann, wenn Wörter aus einer Links-Rechts-Schrift eingeschoben werden, also wenn etwa in einem arabischen Zeitungstext ein westlicher Name auftaucht. Darum muss jedes Programm für eine Rechts-Links-Schrift bidi sein. Wirklich multilingual kann es im Computerwesen der Welt erst zugehen, wenn die Schriftzeichen nicht über viele Codetabellen verteilt sind, von denen jeweils nur eine gelten kann. Sie müßten in einer einzigen großen Codetabelle vereint sein, in der sämtliche Schriftzeichen der Welt ihren eindeutigen Platz (also ihre feste und für alle verbindliche Nummer) hätten. Diese existiert. Sie heißt Unicode. Allgemeingut ist sie noch lange nicht. Die Überlegungen begannen Mitte der achtziger Jahre in der Firma Xerox. 1984 formulierte für sie Joseph D. Becker, worum es ging: "Die faszinierende Vielfalt der menschlichen Schriftsymbole muss im Computer zur Koexistenz gebracht werden. Zunächst scheint das kaum möglich. Arabisch zum Beispiel fließt in Schnörkeln von rechts nach links. Thai und andere aus dem alten Indien stammende Schriften haben Zeichen, die manchmal um ihre Nachbarn herumtreten und so die phonetische Reihenfolge verlassen. Manchmal umhüllt ein Zeichen sogar seine Nachbarn ... Dennoch muss das letzte Ziel die multilinguale Textverarbeitung sein. Fast alle großen Namen in der Computerindustrie schlossen sich der Arbeitsgemeinschaft an, die sich die Mammutaufgabe einer universalen Schrifttabelle zum Ziel setzte. 1991 hatte sie die erste Fassung fertig, 1993 verschmolz ihr Werk mit parallelen Anstrengungen in der Internationalen Normenorganisation. Seitdem ist Unicode da - und ist es doch noch nicht so recht, denn manches dauert selbst in der Computerwelt lange. Es ist eine Tabelle, die jedem Zeichen zwei Byte zubilligt. Zwei Byte lassen sich auf 65 536-fache Weise kodieren. Für ebenso viele Zeichen hat Unicode Raum. Er begann mit der Beseitigung des größten Doublettenrisikos: der Vereinigung der chinesischen, japanischen und koreanischen Zeichen zu einem gemeinsamen Vorrat von über 20 000 Hanzi. Inzwischen sind 38 887 Zeichen aus 24 Schriftsystemen zugewiesen, von Arabisch über das indische Gurmukhi bis Tibetisch. Etliche stehen auf der Warteliste, darunter auch die altägyptischen Hieroglyphen. Platz wird für alle sein. Daß Unicode pro Zeichen zwei Byte braucht, hätte eigentlich einen eklatanten Nachteil, der ihn den meisten Anwendern verleiden müßte: Alle Texte, die bisher mit einem Byte auskamen, würden nach der Umsetzung in Unicode doppelt soviel Speicherplatz beanspruchen.
Tatsächlich aber gibt es inzwischen standardisierte Verfahren, die speicherliche Gefräßigkeit von Unicode zu mildern und Alphabetschriften nach wie vor mit einem Byte pro Zeichen auskommen zu lassen. Damit stünde der multilingualen Textverarbeitung nichts mehr im Weg. Die Multilingualität des Computers rückt in greifbare Nähe. Das Eingabeproblem - wenn mein Computer Unicode versteht und die entsprechenden grafischen Zeichen besitzt, kann er mir Texte in jeder Schrift zeigen. Aber wie schreibe ich in der betreffenden Schrift zurück? Ich brauche dafür die betreffende Tastatur, zumindest muss ich meine Tastatur mit den fremden Zeichen belegen können - äußerster Notbehelf wäre eine virtuelle Tastatur auf dem Bildschirm, per Klick zu bedienen. Aber was, wenn all die Schriftzeichen nicht auf eine Tastatur passen? Kurz: Wie kommen CJK in den Computer?
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Der schieren Zeichenmenge wegen gab es bspw. in China nie eine praktikable Schreibmaschine. Maschinen mit 4000 Tasten lassen sich konstruieren, aber nicht gut nutzen. Schreiben war Kalligrafie, eine Form der Tuschkunst. Als China 1949 "rot" wurde, wollten die neuen Machthaber dem Schreiben sein elitäres Air nehmen und forcierten zweierlei: eine Vereinfachung der gebräuchlichsten Hanzi und eine offizielle lateinische Umschrift, Pinyin. 2238 häufige Zeichen wurden vereinfacht, aber in Taiwan und Hongkong nie anerkannt, mit der Folge, dass es nun zwei chinesische Schriftsysteme gibt. Pinyin drang nicht recht durch, weil es etwas Westliches war und ein Affront für das mit seinen 3500 Jahren älteste lebende Schriftsystem der Welt; aber auch, weil seine Benutzer nicht nur lateinische Buchstaben lernen mussten, sondern erst einmal die Sprache, die Pinyin phonetisch wiedergibt, das Pekinger Mandarin.
Chinesisch nämlich wird in derart vielen Dialekten gesprochen, dass sich Chinesen untereinander nur schwer verstehen. Ihr einziges sprachliches Band ist ihre Schrift, die überall gleich aussieht und das gleiche bedeutet."
Nun ist es der Computer, der zum Beispiel der chinesischen Handschrift ihren elitären Charakter nimmt - und sie damit für das industrielle Zeitalter rettet.
"Als intelligente Maschine entschärft er nämlich das Eingabeproblem. Hunderte, vielleicht Tausende von Inputverfahren sollen entwickelt worden sein. Die meisten beruhen auf Lautschriften für das gesprochene Chinesisch, etwa eben dem lateinischen Pinyin oder der Silbenschrift BoPoMoFo. Das Problem dabei ist die große Homophonie dieser Sprache: Ein Lautbild steht für durchschnittlich 18 verschiedene Zeichen unterschiedlichster Bedeutung, das Lautbild ji gar für deren 110, von eilig über Huhn bis rechnen. Den Computer muss das jedoch nicht verdrießen: Er listet sie alle auf, und der Schreiber muss nur das gewünschte anklicken. Die grafischen Eingabeverfahren dagegen machen sich den Umstand zunutze, dass ein Hanzi kein regelloses Gebilde aus bis zu 33 Tuschstrichen ist, sondern dass seine Striche in einer festen Reihenfolge geschrieben werden und dass jedes Zeichen eines von insgesamt 227 Basiszeichen (Radikalen) enthält. Die Tasten werden also mit Radikalen und Einzelstrichen belegt, diese tippt der Schreiber, und sobald der Computer ahnt, worauf der Schreiber hinauswill, bietet er ihm wiederum eine Liste der in Frage kommenden vollständigen Hanzi an. Mehr als 20 Zeichen pro Minute sind allerdings auch mit der schnellsten Methode nicht zu schaffen. Chinesische Geschäftsbriefe sind in Hongkong dreimal so teuer wie lateinische."
Japan wird das komplizierteste und unpraktischste Schriftsystem der Welt nachgesagt. Es besteht aus gleich vier Schriften aller Typen: chinesischen Wortzeichen (Kanji), zwei Silbenschriften (Hirakana, vornehmlich für Flexionsendungen, Katakana für Fremdwörter) und der lateinischen Alphabetschrift Romaji. Jeder Schreiber muss diese beherrschen und zudem wissen, was in welcher Schrift zu schreiben ist. Gerade diese Kompliziertheit aber macht die Sache einfacher. Die ganze Sprache lässt sich in Romaji oder den beiden Kana-Schriften eintippen. Der Computer "weiß", welche Zeichen er dann aus welchem Schriftsystem nehmen muss. Die wenigsten werden auf ihren Computern je mehr als zwei, drei Sprachen schreiben wollen. Darum galt multilinguale Textverarbeitung bisher entschieden als Nischenbedarf. Aber welche zwei, drei Sprachen? Damit der Computer jede gewünschte Kombination beherrscht, muss er doch voll multilingual sein. Seine Multilingualität rückt näher.
Schon Microsofts Office 97 unterstützte teilweise Unicode und vereinte damit Schriftsysteme, zwischen denen vorher unüberbrückbare Gräben verliefen. Das neue Word 2000 unterstützt die Schriften aller seiner 35 Sprachversionen - unter dem neuen Windows NT voll, unter Windows 98 noch mit Einschränkungen (für Thai, Vietnamisch und mehrere indische Sprachen).
"Unterstützt" - das heißt:
Man kann in jedem Dokument die Benutzeroberfläche, die Tastatur, die Korrekturwerkzeuge (etwa Trennprogramme) und die Sprache der Hilfetexte wechseln; und man kann jeden Text ausschneiden und in jeden anderen Computer versetzen, der Unicode versteht. Er wird dort wohlbehalten ankommen und nicht als Pcpc"'ĒSÁ.
Jeder wird sich dann das Wunder etwa der arabischen Textverarbeitung gönnen können: zu sehen, wie sich auf dem Bildschirm Einzelbuchstaben zur Kursivschrift liieren, wie jeder Buchstabe sich verändert, sobald man den nächsten schreibt (jeden gibt es in bis zu vier Formen, die von seiner Position im Wort abhängen), wie plötzlich, fügte man ein europäisches Wort ein, die Buchstaben in die andere Richtung laufen und den Wortanfang nach links wegschieben und wie die Zeile am Ende ausgeschlossen wird, indem sich die Buchstaben in der Waagerechten verlängern. Wer sich noch vor ein paar Jahren gequält hat, seinem Computer auch nur ein Ä zu entlocken, mag dann fast versucht sein zuzugeben, dass es so etwas wie Fortschritt doch gibt. (D. Zimmer)
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